Konstanzer Konzil Essays On Music

Konzil von Konstanz
5. November 1414–
22. April 1418
Akzeptiert von

Römisch-katholische Kirche

Einberufen von Gegenpapst Johannes XXIII.
Präsidium

König Sigismund, Gegenpapst Johannes XXIII.

Teilnehmer 600 Kleriker
Themen

Abendländisches Schisma, Lehren von Jan Hus, John Wyclif und Hieronymus von Prag, Konziliarismus

Dokumente

Wichtigste Dokumente: Dekrete mit Aufzählung und Verurteilung der „Irrtümer“ von Jan Hus und John Wyclif, Fragebogen für deren Anhänger in der Bulle Inter cunctas, Dekret Cum in nonnullis, Dekret Quilibet tyrannus, Dekret Haec sancta, Dekret Frequens

◀0Konzil von Vienne

Konzil von Basel/Ferrara/Florenz0▶

Liste der ökumenischen Konzilien

Das Konzil von Konstanz (5. November 1414 bis 22. April 1418) war eine Versammlung der Kirchenführung in Konstanz, die auf Betreiben des römisch-deutschen KönigsSigismund von GegenpapstJohannes XXIII. einberufen wurde. Gastgeber war Fürstbischof Otto III. von Hachberg.

Die Versammlung sollte das seit 1378 andauernde Große Abendländische Schisma beenden und damit die Einheit der Kirche wiederherstellen (causa unionis). Ein weiterer Verhandlungspunkt, die causa reformationis (Kirchenreform), bezog sich auf notwendige Reformen innerkirchlicher Zustände. Schließlich sollten in der causa fidei (Glaubensfrage) Fragen der kirchlichen Verkündigung und Sakramentslehre geklärt und damit die Ketzerei (Häresie) wirksam bekämpft werden.

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unzufrieden mit der Amtsführung des römischen Papstes Urban VI. wählten die Kardinäle 1378 ihren Kollegen Robert von Genf in Fondi – in der Nähe von Rom – als Clemens VII. zum Gegenpapst. Sie lösten damit das Abendländische Schisma aus, die Spaltung innerhalb der lateinischen Kirche. Dies bedeutete nicht nur die religiöse Spaltung der katholischen Christenheit. Es zog auch eine politische Polarisierung der beiden Lager nach sich, die sich häufig in kriegerischen Auseinandersetzungen entlud. Auch der Tod eines Papstes in den folgenden Jahren führte zu keiner Wiedervereinigung, da die den jeweiligen Päpsten anhängenden Kardinäle einen Nachfolger aus den eigenen Reihen wählten. 1409 erklärten die von „beiden“ Päpsten abgefallenen Kardinäle beim Konzil von Pisa die zwei konkurrierenden Vertreter Christi für abgesetzt und wählten einen weiteren Papst, Alexander V. Sie beseitigten damit die Kirchenspaltung nicht. Stattdessen war aus der „verruchten Zweiheit“ eine von allen „verfluchte Dreiheit“ geworden (trinitas non benedicta, sed maledicta).[1]

Bei Amtsantritt König Sigismunds stritten sich Papst Gregor XII. (Rom), Gegenpapst Benedikt XIII. (Avignon) und Gegenpapst Johannes XXIII. (Pisa) um die Vorherrschaft (den Primat) in der katholischen Kirche. Da die drei jeweils von verschiedenen Herrschern in Europa in ihrem Anspruch unterstützt wurden, bedrohten diese Wirren das Reich von innen und von außen. So wurde Sigismund als advocatus et defensor ecclesiae (Vogt und Beschützer der römischen Kirche) zur treibenden Kraft für ein Kirchenkonzil, welches das Abendländische Schisma beenden sollte. Als Tagungsort schlug Johannes XXIII. sein Refugium Bologna vor. In langwierigen Verhandlungen und unter dem Druck Sigismunds einigten sich schließlich König und Gegenpapst Johannes XXIII. auf das neutrale Konstanz.

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegenpapst Johannes XXIII.[2] kam nach Konstanz und eröffnete das Konzil am 5. November 1414, wobei zunächst nur diejenigen Bischöfe anwesend waren, die auf seiner Seite standen. Ende 1414 kam König Sigismund zum Konzil und drückte nach Rücksprache mit einigen einflussreichen Theologen der Versammlung eine Geschäftsordnung auf, die festlegte, dass nach Nationen (nationes) und nicht, wie bisher üblich, nach Köpfen abgestimmt werde, um eine Majorisierung durch die italienischen Bischöfe zu verhindern. Insgesamt gab es in Konstanz fünf nationes: Italica, Gallicana, Germanica – unter Einschluss der Skandinavier, Polen, Litauer, Kroaten, Ungarn und Böhmen – Anglica und Hispanica.

Mitte Februar 1415 unterschrieb Johannes XXIII. auf Druck des Konzils eine Erklärung, dass er zurücktreten werde, falls Papst Gregor XII. und Gegenpapst Benedikt XIII. es ihm gleich täten. Außerdem musste er schwören, die Stadt Konstanz nicht zu verlassen. Um seine Macht zu erhalten, floh er entgegen der Abmachung jedoch in der Nacht vom 20. auf den 21. März mit Unterstützung des Habsburger Herzogs Friedrich IV. von Österreich als Stallknecht verkleidet nach Schaffhausen und dann weiter nach Freiburg im Breisgau.[3]

Ohne einen Papst war das Konzil nicht beschlussfähig. Daher verabschiedete die Kirchenversammlung am 6. April 1415 das DekretHaec sancta, das von Guillaume Fillastre, einem von Johannes ernannten Kardinal, verfasst worden war: Danach habe die Konstanzer Kirchenversammlung ihre Vollmacht unmittelbar von Christus; ihr sei jedermann welchen Standes oder welcher Würde auch immer, auch wenn es die päpstliche sein sollte, gehalten zu gehorchen.[4]

In Freiburg begann Papst Johannes XXIII. eine subversive Tätigkeit. Eifrig betrieb er seine Anerkennung und verkaufte zur Geldbeschaffung geistliche Ämter.[5] Daneben suchte er auch politische Unterstützung für seine Papstwürde im Ausland bei den Herzögen von Burgund und Orléans. Als Johannes XXIII. am 29. April 1415 bei Breisach den Rhein überschreiten wollte, verhaftete ihn König Sigismunds ReichsvikarLudwig von der Pfalz. Sigismund befahl, Johannes bis zur Wahl eines neuen Papstes in Haft zu halten. Am 29. Mai beschloss das Konzil auch kraft des Dekrets Haec sancta die Absetzung Johannes’.

Der in Rom residierende Papst Gregor XII. hatte das Konzil nicht anerkannt, aber vor seiner Wahl zum Papst einen Eid geschworen, nötigenfalls zurückzutreten, wenn dies zur Beendigung des Schismas dienlich sein würde. Nach der Absetzung Johannes’ XXIII. schickte er einen Boten an König Sigismund und erklärte sich bereit zurückzutreten, wenn romtreue Kardinäle ein neues Konzil einberufen würden. Daraufhin eröffnete Gregors Bevollmächtigter, Kardinal Johann Dominici von Ragusa, Anfang Juli 1415 formal ein neues Konzil, womit der Autorität des Bischofs von Rom (Papst Gregor XII.) Genüge getan war. Am 4. Juli erklärte Gregor seinen Rücktritt, den das Konzil bestätigte. Diese Entscheidung des Konzils erkannte Gregor nicht an, war er doch wie versprochen „freiwillig“ zurückgetreten.

Der Gegenpapst Benedikt XIII. jedoch weigerte sich abzudanken und floh von Avignon an die spanische Küste (Peñíscola an der Costa del Azahar), wo er sich für den Rest seines Lebens (bis 1423) aufhielt. Inzwischen verhandelte Sigismund mit dem König von Aragonien. Schließlich kamen auch einige von Benedikts Bischöfen zum Konzil. Dieses setzte am 26. Juli 1417 Benedikt XIII. ab und konnte nun zur Wahl eines neuen Papstes schreiten.

Die Vorbereitungen der Wahl eines neuen gemeinsamen Papstes (Konklave) erwiesen sich als schwierig, denn die am Konzil anwesenden abstimmungsberechtigten Kardinäle stammten alle aus Frankreich, Spanien und vor allem aus Italien. Deshalb griffen die Konzilsväter zur Papstwahl auf das bewährte Prinzip der nationes zurück. Die fünf Nationen schickten jeweils sechs Delegierte, die zusammen mit den 23 Kardinälen am 8. November 1417 im hermetisch abgeschirmten Kaufhaus am See ins Konklave gingen.[6][7] Bereits im zweiten Wahlgang am 11. November 1417 erreichte Kardinal Colonna die Mehrheit der Stimmen der nationes und acht der Kardinalsstimmen. Nun begannen die Teilnehmer des Konklaves mit dem als Akzess bezeichneten Wahlmodus, dem Hinzutreten der anderweitig abgegebenen Stimmen auf den in Führung liegenden Kandidaten. Bereits am 11. November kurz vor Mittag war die Wahl Odo Colonnas beendet. Eine Stunde später zogen Martin V. und seine Wähler in feierlicher Prozession zum Münster.[8] Der am Martinstag gewählte Odo Colonna hatte sich entsprechend Martin genannt und wurde am 21. November zum Papst gekrönt. Am 22. April 1418 beendete Papst Martin das Konzil von Konstanz mit der 44. Sitzung.

Die Kirche hatte immer gelehrt, dass Unwürdigkeit eines Amtsträgers dessen Handlungen nicht entwerte. So blieb die Absetzung der Päpste kraft des DekretsHaec sancta umstritten. Zudem waren die kirchlichen Würdenträger, welche die Absetzungen verfügten, allesamt von einem der drei abgesetzten Päpste ernannt worden. Der Grundsatzentscheid des Konzils zur Frage der Vorherrschaft (Superioritätsfrage) wurde auch später von keinem Papst gutgeheißen, außerhalb Roms jedoch von Bischöfen und Theologen in Europa bis ins 16. Jahrhundert nachdrücklich verteidigt.

Unter den anderen Themen des Konzils verurteilte das Konzil die Lehren von John Wyclif, Jan Hus und Hieronymus von Prag. Jan Hus wurde am 28. November 1414, also noch in Abwesenheit von König Sigismund, als Ketzer festgenommen und am 6. Juli 1415 verbrannt. Hieronymus von Prag, der ihm zu Hilfe eilen wollte, wurde ebenfalls verhaftet und am 30. Mai 1416 verbrannt. John Wyclif (1330 bis 1384) war zur Zeit des Konzils bereits seit drei Jahrzehnten tot. Seine Gebeine wurden nach einigen Jahren ausgegraben und ebenfalls verbrannt.

Am 9. Oktober 1417 verabschiedete das Konzil das Edikt Frequens, in dem festgelegt wurde, dass nach dem Konstanzer mindestens alle zehn Jahre weitere Konzilien stattfinden sollten – seitdem gab es jedoch insgesamt nur fünf Konzilien.

Ergebnisse und Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den drei oben erwähnten causae löste das Konzil mit der Absetzung dreier Päpste nur die causa unionis. So einigte sich Papst Martin V. 1429 mit dem Nachfolger von Benedikt XIII., dem Gegenpapst Clemens VIII., und beendete damit das westliche Schisma. Es war die einzige Papstwahl auf deutschem Boden.

Eigentlich sollte das DekretHaec Sancta ein kollegiales Verhältnis zwischen Papst und Konzil und ein Klima für Reformen schaffen, doch die causa reformationis der römischen Kirche wurde in Konstanz nicht einmal vernünftig diskutiert. Erst auf dem Konzil von Basel führte der neue Papst Martin V. Reformverhandlungen – allerdings im Sinne einer Stärkung des geschwächten Papsttums. Die in Konstanz versäumten echten Reformen der Kirche an Haupt und Gliedern wird Martin Luther einhundert Jahre später dramatisch anmahnen.

Schließlich wurde die causa fidei mit dem Wortbruch des freien Geleits und der Verbrennung des böhmischen Rebellen Jan Hus sogar verschlimmert, indem der religiöse Disput eine national-tschechische Wendung erhielt. In Böhmen führte das Konstanzer Urteil über den populären PragerPrediger und Kirchenreformer sowie über dessen Lehren zu Volksaufständen, die schließlich in den Hussitenkriegen endeten. Auch nach der Niederschlagung dieser Kämpfe blieb der Gegensatz zwischen Katholiken und den Anhängern Jan Hus’ in Böhmen bestehen. Im Laufe des 16. Jahrhunderts näherten sich große Teile der Hussiten den Protestanten an, deren Lehren von hussitischen Ideen beeinflusst wurden. Eine wichtige Rolle spielten die sogenannten Böhmischen Brüder, die Nachfolger der Hussiten, noch 1618 beim böhmischen Ständeaufstand, der schließlich den Dreißigjährigen Krieg auslöste.

Außerdem wurde in dem Dekret Quilibet tyrannus die uneingeschränkte und bedingungslose Legitimität eines Tyrannenmordes verneint. Ausgangspunkt waren die Bemühungen Jean Gersons, die Thesen Jean Petits, in denen dieser den Mord des Herzogs von Burgund Johann Ohnefurcht an dem Herzog Ludwig von Orléans am 23. November 1407 rechtfertigte, zu verurteilen. Die Streitigkeiten führten schließlich zum Bürgerkrieg der Armagnacs und Bourguignons, der im Zusammenhang mit dem Hundertjährigen Krieg zwischen England und Frankreich steht.

Ein weiterer Konflikt, der das Konzil beschäftigte, war der zwischen dem Deutschen Orden und der Polnisch-Litauischen Union. Während der Deutsche Orden unter dem Vorwand, die Litauer hätten nur zum Schein das Christentum angenommen, weiter Raubzüge unternahm, forderten die Litauer in der Proposicio Samaytarum ihre Rechte als christliches Volk ein. Eine Delegation des Konzils reiste nach Samogitien und gründete dort am 24. Oktober 1417 das Bistum Varniai.

Konstanz als Konzilsstadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Frage nach dem Tagungsort des Konzils waren mehrere Orte in der Diskussion. Neben Straßburg, Basel oder auch Kempten (Allgäu) stand zuletzt Konstanz zur Wahl. Konstanz hatte wegen seiner Nähe zu Wasserstraßen eine gute Infrastruktur, konnte somit ausgezeichnet mit Lebensmitteln und Waren des täglichen Bedarfs versorgt werden.[9] Zudem war Konstanz nicht nur wie die anderen Städte Reichsstadt, sondern auch Sitz des (damaligen) Bistums.

Während des Konzils stand Konstanz für vier Jahre im Mittelpunkt des kirchenpolitischen Interesses in Europa. König, Papst und Kirchenfürsten hielten sich mit ihrem jeweiligen Gefolge in Konstanz und den umliegenden Orten auf. Man zählte 33 Kardinäle, 346 Patriarchen, Erzbischöfe und Bischöfe, 2148 weltliche Doktoren sowie 546 Vorsteher und Glieder der Mönchsorden, alle mit Pferden und ihren zahlreichen Begleitern, so dass die Stadt aus allen Nähten platzte. Die geschätzten 50.000 bis 70.000 Konzilbesucher – der Geschichtsschreiber Ulrich von Richental sprach sogar von 72.460 Besuchern – verschafften der Stadt nicht nur einen beträchtlichen wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung, sondern brachten sie in diesen vier Jahren bei etwa 6000 Einwohnern auch an die Grenze ihrer Belastbarkeit. Von der Resonanz unter der Bürgerschaft zeugt unter anderem die Konzilschronik Richentals, der Teilnehmer des Konzils in seinem Haus in der Nähe des Münsters beherbergte. Richental führte Schreib- und Notariatsgeschäfte im Zusammenhang mit dem Konzilsgeschehen aus, sammelte Abschriften zahlreicher Dokumente (im Einzelfall auch unter Zuhilfenahme eines Bestechungsgeldes) und stellte diese mit Berichten der Ereignisse, Teilnehmer- und Wappenlisten sowie einem umfangreichen Zyklus von Illustrationen zu einer der noch heute bedeutendsten Quellen der Geschichte des Konzils zusammen.

An das Konzil erinnert in Konstanz heute eine kleine Plakette auf der südlichen Marktstätte. 1993 wurde zudem im Hafen die Imperia aufgestellt, die Figur einer üppigen Kurtisane, die an die weltlichen Bedürfnisse der Konzilsbesucher erinnert. Zu deren Befriedigung kamen „offene Frauen in den Frauenhäusern und sonst Frauen, die Häuser gemiethet hatten, und in den Ställen lagen oder sonst wo Platz fanden, seien gegen 700 da gewesen, ohne die heimlichen“.[10]

Von 2014 bis 2018 feiert die Stadt Konstanz das 600-jährige Jubiläum des Konzils. Im Rahmen des Konziljubiläums fand vom 27. April bis 21. September 2014 im Konzilgebäude eine Große Landesausstellung statt, die vom Badischen Landesmuseum Karlsruhe zusammengestellt wurde. Am 11. November 2017 wurde dem 600-jährigen Jubiläum des Konzils mit einem Festakt im Konzilgebäudes Konstanz gedacht; mit einem ökumenischen Festgottesdienst im Konstanzer Münster mit dem von Papst Franziskus ernannten Päpstlichen Sondergesandten Kurt Kardinal Koch, dem Apostolischen Nuntius in Deutschland, Erzbischof Nikola Eterović, dem Freiburger Erzbischof Stephan Burger sowie dem Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in BadenJochen Cornelius-Bundschuh an die Papstwahl von Martin V. erinnert.[11]

Philatelistische Würdigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als philatelistische Würdigung des historischen Ereignisses vor 600 Jahren gab die Deutsche Post AG mit Ausgabedatum 3. Juli 2014 ein Sonderpostwertzeichen im Wert von 60 Eurocent heraus.[12] Die Marke zeigt in acht Motiven Einzelheiten zum Konzilsort und zu wichtigen Konzilsereignissen. Der Entwurf stammt von der Grafik-Designerin Nicole Elsenbach aus Hückeswagen.

Wichtige Personen des Konzils[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die verschiedenen überlieferten ausführlichen Listen der Konzilsteilnehmer in den Jahren 1414–1418 widersprechen sich zum Teil.[13] Die nachfolgend aufgeführten Personen[14] spielten während des Konzils von Konstanz eine wichtige Rolle:

  • Pierre d’Ailly (1350–1420), französischer Theologe, Kardinal und Kanzler der Sorbonne
  • Henry Beaufort (1375–1447), englischer Staatsmann und Kardinal, Sprecher der englischen Kirche
  • Benedikt XIII. (1342/43–1423), Gegenpapst in Avignon 1394 bis 1423
  • Branda Castiglione (vor 1360–1443), Kardinal, päpstlicher Legat in Ungarn und Germanien
  • Manuel Chrysoloras (1353–1415), byzantinischer Diplomat
  • Zawisza Czarny (1379–1428), Teilnehmer einer polnischen Delegation
  • Guillaume Fillastre (1348–1428), französischer Kardinal, Mitverfasser des Dekrets „Haec sancta“
  • Friedrich IV. (1382–1439), Herzog von Österreich-Tirol
  • Friedrich von Hohenzollern (1371–1440), Burggraf von Nürnberg, seit 1417 Markgraf und Kurfürst Friedrich I. von Brandenburg, späterer Anführer des Reichsheeres gegen die Hussiten
  • Jean le Charlier de Gerson (1363–1429), französischer Theologe und Kanzler der Sorbonne
  • Papst Gregor XII. (1335–1417), Papst von 1406 bis 1415, Kardinalbischof von Porto 1415 bis 1417
  • Robert Hallum von Salisbury († 1417), Kanzler der University of Oxford von 1403 bis 1405, Bischof von Salisbury 1407 bis 1417
  • Gottfried de Hegghe, Rektor der Universität zu Köln um 1414
  • Hieronymus von Prag (um 1379–1416), böhmischer Gelehrter und Mitbegründer der hussitischen Bewegung
  • Jan Hus (um 1370–1415), böhmischer Gelehrter, Priester und Rektor der Karls-Universität Prag sowie Begründer der hussitischen Bewegung
  • Johann Ohnefurcht („Jean Sans Peur“) (1371–1419), Herzog von Burgund (Haus Burgund)
  • Johannes XXIII., Gegenpapst 1410 bis 1415, † in Florenz 1419
  • Karl VI. (1368–1422), König von Frankreich 1380 bis 1422
  • Ludwig III. (1378–1436), Kurfürst von der Pfalz 1410 bis 1436
  • Ludwig VII. (1368–1447), Herzog von Bayern-Ingolstadt und Leiter der französischen Konzilsgesandtschaft
  • Martin V. (Oddo di Colonna) (1368–1431), Papst von 1417 bis 1431
  • Poggio Bracciolini (1380–1459), italienischer Papstsekretär und Humanist
  • Ulrich von Richental (um 1360–1437), Konstanzer Historiograf
  • Sigismund von Luxemburg (1368–1437), deutscher König seit 1410 und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches von 1433 bis 1437, Protektor des Konstanzer Konzils
  • Oswald von Wolkenstein (um 1377–1445), Südtiroler Ritter und Sänger, Dichter und Komponist, Diplomat
  • Franciscus de Zabarellis (Zabarella, 1360–1417), italienischer Kardinal von Padua

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Andreas von Regensburg: Concilium Constanciense. 1422.
  • Hieronymus von Croaria (Hrsg.): Acta scitu dignissima docteque concinnata Constantiensis concilii celebratissimi. Hagenau 1500. (Erste Druckausgabe von Konstanzer Konzilsakten mit Widmungsschreiben von Konrad Summenhart vom 11. April 1499 auf der Rückseite des Titelblatts.)
  • Giovanni Dominicus Mansi: Sacrorum Conciliorum Nova et amplissima collectio. Editio novissima. Teil 1–31. Florenz, Venedig 1759–1798.
  • Heinrich Finke (Hrsg.): Acta Concilii Constanciensis. Teil 1–4. Münster i. W. 1896–1928, 2. Aufl. 1976.
  • Ulrich von Richental: Chronik des Konstanzer Konzils 1414–1418. Eingeleitet und herausgegeben von Thomas Martin Buck. Ostfildern 2010, ISBN 978-3-7995-6841-8.
  • Konzilstadt Konstanz (Hrsg.): Ulrich Richental: Chronik des Konzils zu Konstanz, 1414–1418. Faksimile der Konstanzer Abschrift mit einem Kommentar von Jürgen Klöckler. Theiss, Darmstadt 2013, ISBN 978-3-8062-2782-6.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Silvia Volkart (Hrsg.): Rom am Bodensee. Die Zeit des Konstanzer Konzils.NZZ Libro, Zürich 2014, ISBN 978-3-03823-887-4.
  • Badisches Landesmuseum Karlsruhe (Hrsg.): Das Konstanzer Konzil. Katalog. 1414–1418. Weltereignis des Mittelalters. Theiss, Darmstadt 2014, ISBN 978-3-8062-0001-0.
  • Karl-Heinz Braun, Mathias Herweg, Hans W. Hubert, Joachim Schneider, Thomas Zotz (Hrsg.): Das Konstanzer Konzil. Essays. 1414–1418. Weltereignis des Mittelalters. Theiss, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-8062-2849-6.
  • Thomas Martin Buck und Herbert Kraume: Das Konstanzer Konzil. Kirchenpolitik – Weltgeschehen – Alltagsleben. Thorbecke, Ostfildern 2013, ISBN 978-3-7995-0502-4.
  • Jan Keupp und Jörg Schwarz: Konstanz 1414–1418. Eine Stadt und ihr Konzil. Primus, Darmstadt 2013, ISBN 978-3-86312-038-2.
  • Klaus Schelle: Das Konstanzer Konzil. 2. Auflage, Stadler, Konstanz 2010, ISBN 978-3-7977-0557-0.
  • Walter Brandmüller: Das Konzil von Konstanz 1414–1418. Band 1: Bis zur Abreise Sigismunds nach Narbonne. Schönigh, Paderborn 1991, ISBN 3-506-74690-1. Band 2: Bis zum Konzilende. Schöningh, Paderborn 1998, ISBN 3-506-74691-X.
  • Klaus Schatz: Allgemeine Konzilien – Brennpunkte der Kirchengeschichte. 2. Auflage, UTB / Schöningh, Paderborn 2008, ISBN 3-8252-1976-3 (UTB) / ISBN 3-506-99492-1 (Schöningh).
  • Ansgar Frenken: Die Erforschung des Konstanzer Konzils (1414–1418) in den letzten 100 Jahren (= Annuarium historiae conciliorum. Band 25,1/2). Schöningh, Paderborn 1993, ISBN 3-506-59462-1 (Zugleich Dissertation an der Universität Köln 1994).
  • Hubert Jedin (Hrsg.): Handbuch der Kirchengeschichte: vom kirchlichen Hochmittelalter bis zum Vorabend der Reformation. Sieben Bände, Band 3, Halbband 2. Sonderausgabe, Herder, Freiburg im Breisgau 1985, ISBN 3-451-27100-1.
  • Karl August Fink: Die weltgeschichtliche Bedeutung des Konstanzer Konzils. In: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte. Kanonistische Abteilung, Bd. 51 (1965), S. 1–23.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ↑Klaus Schatz: Allgemeine Konzilien – Brennpunkte der Kirchengeschichte. Paderborn 1997, S. 133.
  2. ↑(Obedienz von Pisa)
  3. ↑Herzog Friedrich unterstützte Johannes, weil er ihm noch etwas schuldig war: Der Papst hatte den immer finanziell klammen Herzog „mit der leeren Tasche“ im Oktober 1414 mit einem Jahresgehalt von 6000 Goldgulden zum obersten Feldhauptmann der römischen Kirche ernannt. König Sigismund war über die Flucht Papst Johannes XXIII. empört. Als römisch-deutscher König verhängte er über den Habsburger Herzog Friedrich die Reichsacht und stellte die vorderösterreichischen Gebiete unter unmittelbare Reichshoheit. So wurde Freiburg im Breisgau im Jahr 1415 freie Reichsstadt und blieb es bis 1425.
  4. ↑Thomas Martin Buck: Die Rettung des Heiligen Stuhls. Badische Zeitung, Seite 1, vom 26. April 2014
  5. ↑ Diese Tätigkeit wird als Simonie bezeichnet.
  6. ↑Rolf Zimmermann: Am Bodensee. Verlag Friedrich Stadler, Konstanz 2004. ISBN 3-7977-0507-7, S. 9
  7. ↑Das noch existierende Haus wird heute als Konzilgebäude bezeichnet, obgleich die Verhandlungen der Kirchenversammlung im Konstanzer Münster und den übrigen Stadtkirchen stattfanden.
  8. ↑Henry Gerlach: Die Wahl Martin V., Kompetenzzentrum Konstanzer Konzil, 2012
  9. ↑Jörg Krummenacher: [1]«Habemus Papam» am Rand der Schweiz vom 11. November 2017
  10. ↑K. Walcher: Verschiedenes aus der Zeit der Konstanzer Kirchenversammlung. Schriften der Gesellschaft für Beförderung der Geschichtskunde, 1, 211, Freiburg 1828
  11. ↑Homepage der Konzilstadt Konstanz
  12. ↑Briefmarken und Sammlermünzen: 600 Jahre Konstanzer Konzil BMF vom 9. Juli 2014
  13. ↑Joseph Riegel: Die Teilnehmerlisten des Konstanzer Konzils. In: Zeitschrift der Gesellschaft für Beförderung der Geschichts-, Altertums- und Volkskunde.31, 193, 1915
  14. ↑Konklaveteilnehmer, vaticanhistory.de, abgerufen am 4. Januar 2014

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Konzilssitzung im Konstanzer Münster (aus der Chronik des Konzils von Konstanz des Ulrich von Richental)
König Sigismund und Königin Barbara auf dem Zug ins Münster (aus der Chronik des Konzils von Konstanz des Ulrich Richental)
Konstanzer Konzil-Gebäude (2009)
Obwohl König Sigismund ihm freies Geleit zugesagt hatte, wurde Jan Hus 1415 verhaftet und verbrannt
Plakette zum Gedenken an das Konstanzer Konzil
Erinnerungstafel in der Fußgängerzone von Konstanz
Rezeption des 19. Jahrhunderts: Johann Hus auf dem Konstanzer Konzil, Gemälde von Carl Friedrich Lessing, 1842

Wichtige Gedenkjahre kündigen sich heutzutage bereits mit einigen Jahren Vorlauf an. Events werden organisiert, Ausstellungen vorbereitet, Kongresse angekündigt. Auch steigt die Zahl der Publikationen zu dem zu würdigenden Ereignis rapide an, sehen doch gleichermaßen Autoren wie Verlage ihre große Chance, das Erinnern und Gedenken in eigenen Gewinn umzumünzen. Vieles von dem Gedruckten mag ja nützlich sein, allerdings längst nicht alles, was in einem solchen Kontext geschrieben und publiziert wird, ist auch geeignet, den Erkenntnisfortschritt zu fördern.

2014 jährte sich der Beginn des Konstanzer Konzils zum 600. Mal. Erstmalig versammelte sich damals auf deutschem Boden ein allgemeines Konzil, das immerhin dreieinhalb Jahre dauern sollte. Zweifellos war dieses Ereignis mehr als nur eine Kirchenversammlung im engeren Sinne; Konstanz war zugleich eine Drehscheibe, eine Austausch- und Begegnungsstätte für Menschen und Ideen, ein wahres Großevent des europäischen Spätmittelalters mit entsprechender Ausstrahlung weit über die Stadt und die Region hinaus.

Dass man heute vergleichsweise viel über das Konzil weiß, ist nicht zuletzt den zeitgenössischen Chroniken zu verdanken. An erster Stelle steht hier der Name des Konstanzer Bürgers Ulrich Richental, der bereits zeitnah, noch während die Versammlung in seiner Heimatstadt tagte, das Material für seine Chronik gesammelt hat. Wenig später ordnete er es als eine Art Grundstock für die bald einsetzende Handschriften-Produktion. Ob es allerdings eine sogenannte ‚Urfassung‘ der Chronik überhaupt gegeben hat, ist umstritten und konnte abschließend bislang noch nicht geklärt werden. Die heute im Konstanzer Rosgarten-Museum aufbewahrte Handschrift, die selbst erst in den 1460er-Jahren entstanden ist, liegt seit Kurzem erneut als Faksimile-Druck vor.[1] Dem Leser dieser günstigen Prachtausgabe begegnen hier all die Bilder, die bis heute eine bedeutende Rolle zur ikonographischen Vermarktung des Konzils spielen. Darüber hinaus erschien inzwischen auch eine Übersetzung der Konstanzer Handschrift ins moderne Neuhochdeutsch[2], die für sich in Anspruch nimmt, „keine wissenschaftliche Publikation [zu] sein, sondern dem Leser Vergnügen beim Schmökern [zu] bereiten“ (S. 9). Eine Verständnishilfe und damit einen Zugang zur Beschäftigung mit dieser wichtigen Quelle zur Konzilszeit bietet dieses Buch allemal.

Wer das Faksimile der Konstanzer Richental-Handschrift zur Hand nimmt, sollte allerdings wissen, dass er lediglich die Wiedergabe einer einzigen von knapp zwei Dutzend heute noch existierenden Handschriften in den Händen hält, von denen die meisten überdies unbebildert sind. Inhaltlich lassen sich signifikante Unterschiede feststellen, die als Tribut an die verschiedenen Abnehmer der Handschriften interpretiert wurden. Positiv herauszustellen ist die hervorragende Wiedergabequalität des Faksimile-Drucks. Eine informative Beilage zur Überlieferungsgeschichte, verfasst vom Leiter des Konstanzer Stadtarchivs Jürgen Klöckler, erhöht den Nutzwert dieser Ausgabe zusätzlich. Weniger erfreulich ist dagegen, dass die Ränder des Manuskripts für die vorliegende Ausgabe weggeschnitten wurden – zu vermuten sind finanzielle Überlegungen des Verlags. Der Band mit seinen zahlreichen Abbildungen vermittelt neben dem Text noch heute einen plastischen Eindruck von der Bedeutung symbolischer Kommunikation, von Zeremoniell und Ritualen im Umkreis des Konzils – Themen, die gerade die jüngere Forschung verstärkt aufgegriffen hat.

Um jedoch einen Überblick über die abweichenden Texte der verschiedenen Handschriften zu bekommen, ist die kritische Leseausgabe, die der Freiburger Mediävist Thomas Martin Buck zusammengestellt hat[3], ein nahezu unverzichtbares Hilfsmittel. Überdies lässt sich jetzt mit ihrer Hilfe die Richental-Chronik mühelos in moderner Druckbildgestaltung nachlesen. Ein diesem Buch beigegebenes umfangreiches Glossar zeitgenössischer Begriffe mit der entsprechenden Übersetzung ins Hochdeutsche erleichtert zudem dem Nichtfachmann den Zugriff auf diese für die städtische Perspektive des Konzils zentrale Quelle.

Spiegelbild des städtischen Selbstbewusstseins ist aber vielleicht noch stärker eine andere Quelle, die gleichfalls etwa ein Menschenalter nach dem Konzil entstanden ist: die aus älteren Texten und historiographischen Schriften kompilierte „Konstanzer Chronik“ Gebhart Dachers.[4] Bischofs- und Stadtgeschichte werden darin gemeinsam behandelt, Reich, Bischof und Stadtgemeinde bilden sozusagen eine Einheit. Auch diese Chronik liegt seit Kurzem in einer kritischen Version vor; die der Edition beiliegende CD enthält darüber hinaus eine Textsynopse dreier überlieferter Handschriften. Im Gegensatz zur Richental-Chronik geht Dacher auf das Konstanzer Konzil selbst nur am Rande ein, liefert indes ein Bild des historischen Selbstverständnisses der Konzilsstadt. Der Wert dieser neuen Edition ist allein schon dadurch immens, dass sie eine Textbasis bietet, die die Fehler älterer (Teil-)Editionen, etwa die von Ph. Ruppert von 1891, korrigiert.[5]

Auch der im Dienste König Sigmunds stehende Mainzer Kaufmann Eberhard Windeck(e) verfasste eine Chronik, die ihrerseits zahlreiche Informationen zum Konzil und dessen Umfeld enthält, insbesondere über festliche und andere öffentliche Auftritte und Handlungen, in deren Zentrum zumeist der römische König steht. Bis zu der angekündigten kritischen Neuausgabe dieser „Denkwürdigkeiten“ im Rahmen der MGH[6] wird man sich aber wohl noch gedulden müssen. Es bleibt zu hoffen, dass die Konzilsfeierlichkeiten das Erscheinen der Publikation beschleunigen können.
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Neugierde für das Konzil zu wecken und natürlich auch auf das Konzilsjubiläum, dürfte nicht zuletzt der Zweck einiger Veröffentlichungen der vergangenen Monate sein. Allen gemeinsam ist, dass sie mal mehr, mal weniger den aktuellen Forschungsstand widerspiegeln, neue Zugriffe auf das Konzilsereignis und seine Interpretation aber nur teilweise und dann auch nur ansatzweise angedeutet werden.

Gewiss ohne einen höheren Anspruch empfiehlt sich ein schmales Bändchen des Konstanzer Theologen Mathias Trennert-Helwig, dass unter dem Titel „Konstanzer Konzil kompakt“ auf Kundenfang geht.[7] In zwölf Appetithäppchen stellt der Verfasser die Geschichte des Konzils von dessen Vorgeschichte bis zum Ende vor. Gedacht ist das im Übrigen bunt bebilderte Buch in erster Linie für den neugierigen, aber noch wenig informierten Leser, der sich mit dem Thema Konstanzer Konzil vertraut machen möchte. An den Forscher richtet sich dieses Bändchen sicher nicht, wie allein schon ein Blick auf die schmale Literaturauswahl deutlich macht. Gerade einmal 15 Titel zählt die Liste. Nützlicher sind dagegen zwei Anhänge: einer mit zentralen Personen des Konzils und einer mit wichtigen Orten in der Konzilsstadt. Reichhaltig illustriert kann dieses wohlfeile Bändchen möglicherweise zu einer intensiveren Beschäftigung mit dem Konzil animieren – gewissermaßen ein Türöffner und Appetitanreger, mehr aber auch nicht.

Ein ähnliches Anliegen dürfte das Februar-Heft von 2014 der auf ein breiteres geschichtsinteressiertes Publikum zugeschnittenen Zeitschrift „Damals“[8] verfolgen, das in großen Teilen dem Konstanzer Konzil gewidmet ist. Ausgewiesene Fachleute geben darin kompetent Auskunft über die Vorgeschichte des Ereignisses, zur Rolle Sigmunds auf dem Konzil, zu Jan Hus und Hieronymus von Prag, über die Stadt Konstanz in den Konzilsjahren bis hin zu Spuren, die die Kirchenversammlung vor Ort hinterlassen hat. Darüber hinaus informiert das Heft über die anstehenden Festlichkeiten in der Konzilsstadt. Alles in allem ein paar Appetithappen, die das Interesse am Konzil wecken sollen. Für die öffentliche Wahrnehmung und Popularisierung eines solchen Ereignisses ist jedoch die Breitenwirkung einer solchen Zeitschrift ebenso wenig zu unterschätzen wie die einer Ausstellung: Sie prägen oft in stärkerem Maß das Geschichtsbild weiter Kreise, als dies wissenschaftliche Publikationen vermögen.

Ambitionierter als die Darstellung von Tennert-Helwig gibt sich die Darstellung von Jan Keupp und Jörg Schwarz.[9] Dieser schon Mitte 2013 erschienene Band gab mit seiner Darstellung des Konzilsgeschehens sozusagen den publizistischen Startschuss zum Jubiläum. Wie sich bei näherem Hinschauen zeigt: ein überhasteter Schnellschuss zweier Autoren, die in diesem Forschungsgebiet bislang noch nicht ausgewiesen waren. Schwarz beschäftigt sich mit dem Konzil (S. 7–88), Keupp mit der Konzilsstadt (S. 90–171). Bereits mit dem ersten Teil beginnt das Ärgernis. Schwarz befindet sich längst nicht immer auf dem Stand der aktuellen Forschung, nicht nur was die Einschätzung Richentals angeht. Gegen Hus wurde kein förmliches Verfahren eingeleitet (S. 67f.), sondern ein laufendes Verfahren fortgeführt. Das lange Zeit tradierte Todesdatum Benedikts XIII. sowie dessen Lebensalter (S. 53) ist nach den Recherchen Dieter Girgensohns nicht mehr zu halten. Überdies stören eine Reihe sprachlicher Ungenauigkeiten und inhaltlicher Fehler die Lektüre: Gregor XII. hat mit dem Beginn des Schismas nichts zu tun (S. 13); nach Pisa stand Frankreich schon lange nicht mehr auf Seiten Benedikts (S. 23); nicht Gregor XII., sondern Johannes XXIII. floh 1413 aus Rom nach Florenz (S. 24); es gab keinen englischen Kardinal (S. 68) usw. Eingestreute Zitate moderner Autoren werden überdies nicht nachgewiesen. Auch findet Schwarz nicht immer den angemessenen Ton, wenn etwa die Holzbalken „morschten“ (S. 14). Die angeführten Beispiele für sachliche Fehler und sprachliche Fauxpas ließen sich mühelos erweitern. Am zweiten Teil stört dagegen anderes: Keupp bewegt sich allzu weit weg von den Konzilsjahren bzw. deren zeitlichem Umfeld, der Bezug zum Ereignis ist häufig nicht zu erkennen. So darf man sich mitunter fragen, welchen Erkenntnisgewinn man für den Zeitraum, in dem die Kirchenversammlung in Konstanz stattfand, herausziehen kann. Deutlich wird das etwa an den Abschnitten „Eine Stadt der Frauen“ (S. 111f.), „Kindheit“ (S. 117ff.), „Ehre, Frevel und Verbrechen“ (S. 126ff.).

Ganz anders der ebenfalls von einem Autorenteam, von Thomas Martin Buck und Herbert Kraume, verfasste, ein halbes Jahr später auf den Markt gekommene Band.[10] Ausführlich wird auch hier das Geschehen in der Stadt und auf dem Konzil wiedergegeben, wobei sich beide Autoren vor allem auf die chronikalische Überlieferung stützen. Sicher kein Zufall, dass die Richental-Chronik intensiv ausgewertet wird, aber auch andere Augenzeugen kommen vielfach zu Wort. Dass einzelne Positionen überholt oder Details schief wiedergegeben sind – so der immer wieder behauptete Pairsschub (S. 108), die Übernahme der Konzilsleitung durch den König (S. 192), die Entstehung der spanischen Nation erst 1417 (S. 106), die fälschlich von Richental übernommene Angabe, Hallum sei Erzbischof gewesen (S. 112) – sind Schönheitsfehler, die in einer Neuauflage korrigiert werden sollten. Im Großen und Ganzen befinden sich die beiden Autoren auf dem aktuellen Stand der Forschung, was nicht zuletzt in dem gemeinsam verantworteten letzten Kapitel (S. 335–357) deutlich wird. Knapp werden in den Abschnitten „Das Konzil in neuem Licht“, „Das Konzil als textuelles Ereignis“, „Das Konzil als gelehrtes Ereignis“, „Das Konzil als polyvalentes Ereignis“, etc. die Ansätze und Zugriffe neuerer Konstanzforschung vorgestellt, die es in den Augen der Autoren auch nötig machen, dass „die Geschichte des Konzils […] immer wieder neu geschrieben werden“ (S. 335) muss. Etwas willkürlich wirken lediglich die in das Buch eingestreuten „Köpfe des Konzils“, vermutlich eine Vorgabe des Verlags.

Der Nachteil beider Darstellungen liegt weniger darin, dass sie noch keine neuen Forschungsergebnisse präsentieren können. Das dürfte wohl auch nicht ihr primärer Anspruch gewesen sein. Buck und Kraume weisen aber immerhin in ihrem Schlusskapitel auf neuere Forschungsfragen und -ansätze hin. Eine Verschiebung von der lange dominierenden theologischen Perspektive hin zu einer multiperspektivischen Sicht des Konzils ist im Übrigen nicht nur in diesem Buch deutlich zu erkennen. Der Nutzen beider Publikationen für die Forschung wird allerdings dadurch eingeschränkt, dass keine Belege angeführt werden. Nur mühsam lassen sich diese – zumindest teilweise – aus dem anhängenden Literaturverzeichnis herausdestillieren; der dafür nötige Aufwand ist jedoch enorm und nicht immer zielführend. Für Arbeiten mit wissenschaftlichem Anspruch sollte dies keine Schule machen. Warum der eine oder andere Titel von Keupp und Schwarz in ihre über acht locker gefüllte Seiten (S. 174–181) verteilte, äußerst bescheidene Literaturauswahl aufgenommen wurde, das bleibt wohl letztlich das Geheimnis des Autorenteams. Dagegen verzeichnen Buck und Kraume auf immerhin gut dreißig Seiten (S. 358–390) die wichtigsten Literaturtitel zum Thema, auch wenn hier und da Ergänzungsbedarf bestehen mag. Als wenig benutzerfreundlich darf man indessen auch die Entscheidung werten, den beiden Büchern kein Register beizugeben.
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Letzten Endes stellt sich bei einer kritischen Lektüre der vorgenannten Publikationen die mehr als berechtigte Frage, worin das eigentlich Neue, der Erkenntnisfortschritt liegen mag. Einen grundsoliden Maßstab für eine solche Beurteilung liefert ein gleichfalls erst kürzlich in der renommierten Oldenbourg-Reihe ‚Enzyklopädie deutscher Geschichte‘ publiziertes Buch. Verfasst von dem inzwischen emeritierten Frankfurter Historiker Heribert Müller, ist „Die kirchliche Krise des Spätmittelalters“ mehr als nur ein glänzend geschriebener Forschungs- und Literaturbericht dieser Epoche[11], das Buch ist ein großer Wurf geworden. Müller vermag es in einer jederzeit verständlichen und klaren Diktion, auch komplizierte Inhalte und Zusammenhänge knapp und pointiert auszudrücken. Seine Urteile, denen man die Erfahrung eines profunden Kenners der Epoche anmerkt, sind bei aller Ausgewogenheit überzeugend und treffsicher. Das gilt auch für die Charakterisierung von Forschern und ihrer mitunter einseitigen Forschungsinteressen.

Das Konstanzer Geschehen und die auf dem Konzil virulenten Probleme werden in diesem Band mit dem Untertitel „Schisma, Konziliarismus und Konzilien“ in ihren größeren Gesamtzusammenhang eingeordnet, der zeitlich ungefähr ein dreiviertel Jahrhundert umspannt. Der das Konstanzer Konzil unmittelbar betreffende Teil macht dabei, grob gerechnet, ein Drittel des Buchumfangs aus. Gleiches gilt in etwa für die angeführten Literaturtitel, deren Auswahl überzeugt und die keinen wichtigen Titel vermissen lässt. Müller gelingt es, auf beschränktem Raum einen stupenden Überblick über die bisherige Konzilsforschung zu geben, er weist überdies auf aktuelle Forschungsthemen und -schwerpunkte hin. Dass damit auch Impulse gesetzt werden sollen, soll hier nur am Rande bemerkt werden.

Dieses Buch sollte Pflichtlektüre für all jene sein, die künftig zum Konstanzer Konzil arbeiten. Zweifellos hat der Frankfurter Emeritus damit Maßstäbe gesetzt, an denen sich alle im Zusammenhang mit dem Jubiläum erscheinenden Publikationen zumindest in dem Punkt messen lassen müssen, ob sie denn für die Erforschung des Konstanzer Konzils einen Zuwachs an Erkenntnisgewinn bringen.
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Eine erste Probe aufs Exempel ermöglichen die zahlreichen Beiträge des Essay- und des Katalogbands zur baden-württembergischen Landesausstellung „Das Konstanzer Konzil 1414–1418. Weltereignis des Mittelalters“ des Jahres 2014.[12] Gemeinsam ist beiden Publikationen, dass sie nicht nur die „klassischen“ Gegenstände der Konzilshistoriographie (Überlieferung; Organisation, Ablauf, Teilnehmer; Gegenstände und Beschlüsse) auf aktuellem Forschungsstand in knappen Essays und Übersichtsartikeln aufgreifen, sondern darüber hinaus den Themenbereichen Stadt und Region, Kunst und Architektur – so die Überschriften im Essay-Band – einen angemessenen Platz einräumen. Das Constantiense erscheint in diesem breiter angelegten Kontext als das polyvalente Ereignis, das es in der Tat zu einem bedeutenden Event des späten Mittelalters machen sollte.

Die Fülle der Einzelbeiträge en detail besprechen zu wollen, ist nicht nur aus Platzgründen schier unmöglich; auf einige wichtige Aspekte sei aber hingewiesen. Für die Ausweitung des Horizonts aktueller Konstanzforschung seien hier stellvertretend die Beiträge von Thomas Zotz „Der deutsche Südwesten“ (S. 139–145), Dorothea Weltecke „Juden im Bodenseeraum“ (S. 157–163) sowie Hans W. Hubert „Papstgrabmäler während der Zeit von Schisma und Konzil“ (S. 210–218) im Essayband genannt. Ergänzungen zum traditionellen Bild des Konzils in der Historiographie sowie einige neue Facetten liefern – in Auswahl – die Beiträge von Gerrit Jasper Schenk „Zeremonielle und Rituale auf dem Konstanzer Konzil“ (S. 22–27), Kurt Weissen „Die Päpste und ihre Bankiers“ (S. 28–32), Daniela Dvořaková „Die Delegation der ungarischen Kirche und ungarischen Adels in Konstanz“ (S. 70–76) oder Karel Hruza „Hussitische Propaganda gegen das Konstanzer Konzil“ (S. 97–101). Peter Niederhäuser („Fürst und Fluchthelfer. Herzog Friedrich IV. von Österreich und das Konzil von Konstanz“, S. 145–150 – wichtig dazu auch sein Beitrag im in Anmerkung 16 zitierten Sammelband) gelingt es mit wenigen Strichen, ein differenzierteres Bild dieser umstrittenen Person zu zeichnen, wodurch dessen Agieren sowie seine Beweggründe an Transparenz gewinnen. An diesem Beispiel lässt sich gut erkennen, dass eine erneute Beschäftigung mit einem tradititionellen Gegenstand, in diesem Fall mit einem einzelnen am Konzil Beteiligten durchaus neue Erkenntnisse zu Tage fördern kann. Insgesamt, so darf man getrost festhalten, ist es den Herausgebern des Essay-Bands gelungen, einen weiten Horizont zu spannen und eine breite Palette von Themen darunter zu vereinen. Den Autoren wurde Platz gegeben, auch über bislang am Rande Liegendes beziehungsweise weitgehend Unbekanntes zu berichten. Dass nicht alle Beiträge das angestrebte Niveau halten können, ist zwar bedauernswert, aber bei einem solch breit angelegten Sammelband wohl unvermeidlich. Vielleicht ist es für den aktuellen Stand der Forschungsdiskussion symptomatisch, dass der Beitrag von Karl-Heinz Braun („Die Konstanzer Dekrete Haec sancta und Frequens“, S. 82–86) eher enttäuscht und dem komplexen Thema in seiner Verkürzung (S. 86, 1. Absatz) kaum gerecht wird.

Noch stärker als den Essay-Band prägen die Themen Kunst, Kultur und konziliarer Alltag den Katalog-Band, eine ganze Reihe seiner Beiträge sind diesen Themen gewidmet. Auch hier findet sich manches Neue (exemplarisch erwähnt seien die Beiträge von Burkard Wehner, „Mit Engelschem süssem gesang. Die Stadt als Klangraum“, S. 146f., und Jana Lucas, „Bildgewordene Zukunftsangst. Die Weissagungen über die Päpste“, S. 321–323); andere, auch traditionellen Themen vorbehaltene Kurzessays präsentieren cum grano salis den Stand der aktuellen Forschung – bei allen Unterschieden, die allein schon durch die große Zahl der Mitarbeiter bedingt sind. Dass die Beiträge damit eher als Impulsgeber für eine weitere Beschäftigung mit diesen Themen zu betrachten sind, ergibt sich schon aus ihrer Kürze. Das Konzil erwies sich geradezu als Katalysator für ein polyvalentes Ereignis, das die ganze Region prägte, Kunst und Kultur maßgeblich weit über den Bodenseeraum beeinflusste und Entwicklungen förderte, die weit über die engere Kirchenversammlung hinausreichten (vgl. etwa Johannes Helmrath, „Geistiger Umschlagplatz. Kulturelle Auswirkungen des Konstanzer Konzils“, S. 326f., oder Winfried Wilhelmy, „Aufbruch in die Kunst der Neuzeit. Vom Weichen Stil zum »harten« Realismus“, S. 330–332).

Bedauerlicherweise sind die Abbildungen des Essay-Bands in schwarz-weiß gehalten, der Kostendruck dürfte hier eine Rolle gespielt haben. Ein Geheimnis der Herausgeber wird es zudem bleiben, warum einzelne Beiträge ohne bildliche Zeugnisse geblieben sind. Anders verhält es sich mit dem Katalog-Band, der zahlreiche Abbildungen und Fotos von guter Druckqualität enthält.

Ebenfalls liegt nun der lang erwartete Band „Das Konstanzer Konzil als europäisches Ereignis“ mit den Beiträgen der im Herbst 2011 auf dem Arbeitskreis für mittelalterliche Geschichte auf der Reichenau gehaltenen Vorträge vor.[13] Den Rahmen für diese Veranstaltung hatte die Co-Herausgeberin Birgit Studt bereits ein Jahr zuvor in einem programmatischen Vortrag vorgegeben, der allerdings nur in elektronischer Form vorliegt.[14] Ein Schwerpunkt des Bandes liegt auf ‚Begegnungen‘, ein anderer auf ‚Kommunikation‘, ein dritter auf ‚Ritualen‘ – Begriffe, die vielleicht auf einen ersten oberflächlichen Blick inkongruent erscheinen mögen, nichtsdestoweniger auf aktuelle Forschungsschwerpunkte hinweisen. Das Konzil als europäisches Ereignis: Eine Lücke schließt dazu der Beitrag von Sophie Vallery-Radot „La diplomatie menée par l'ambassade du roi de France au Concile de Constance“ (S. 89–106), der allerdings deutlich macht, dass gerade auch die Position der einflussreichen Pariser Universitätsgesandten dringend einer weiteren Aufarbeitung bedarf. Neue Erkenntnisse zum Verhalten der spanischen Königreiche im Kontext der Obödienzentziehung von Benedikt XIII. bringen die beiden Beiträge von Nikolas Jaspert („Das aragonesische Dilemma“, S. 107–142) und Ansgar Frenken („Kastilien und das Konstanzer Konzil“, S. 143–172). Die bislang noch offenen Fragen für den Erfolg König Sigmunds und der Konstanzer Konzilsväter bei der Gewinnung der Spanier für die Konstanzer Lösung der Union dürften damit jetzt weitgehend beantwortet sein. Zu bedauern bleibt das Fehlen des spezifisch ‚italienischen‘ Blicks auf das Constantiense, insbesondere der sich vom Konzil fernhaltenden Mächte Florenz, Venedig und Neapel. Man wird sich in diesem Punkt auch weiterhin an die Darstellung Walter Brandmüllers aus den 90er-Jahren halten müssen.[15]

Der zweite Schwerpunkt befasst sich mit verschiedenen Aspekten der Kommunikation, wobei ein weit gefasster Kommunikationsbegriff zugrunde gelegt wurde, sowie des Zeremoniells und der Rituale (vgl. dazu Martin Kintzinger, „Das Konzil konstruieren. König Sigismund und die internationale Kommunikation“, S. 219–254; Gerrit Jasper Schenk, „Die Lesbarkeit von Zeichen der Macht und die Grenzen der Macht von Zeichen auf dem Konstanzer Konzil…“, S. 255–304), was in einem lebhaften und noch nicht beendeten Diskurs über „das Verhältnis des Zeremoniells zur Liturgie einerseits und zu politischen Verfahren andererseits“ (Birgit Studt, „Zusammenfassung“, S. 404) führte.

Neuland betritt schließlich der Beitrag von Therese Bruggisser-Lanker („Music goes public. Das Konstanzer Konzil und die Europäisierung der Musikkultur“, S. 349–378), der insbesondere auf den Bedeutungszuwachs des musikalischen Erfahrungsraums ‚Stadt‘ hinweist. Bruggisser-Lanker spricht von einem Prozess „der Internationalisierung oder der Ausdifferenzierung der musikalischen Lebenswelten […], welche die europäische Musikkultur grundlegend verändern sollten“ (S. 354). Den Konzilien des 15. Jahrhunderts gesteht sie dabei die Rolle eines Beschleunigers dieser Entwicklung zu. Allerdings bleibt es nach ihren Worten schwierig, sich genau vorzustellen, „wie es in Konstanz zwischen 1414 und 1418 klang“ (S. 356). Hier tut sich ein weites Forschungsfeld auf, das auf einem interdisziplinären Symposion in Konstanz zum Thema „Europäische Musikkultur im Kontext des Konstanzer Konzils“ im Juni 2014 weiter vertieft wurde. Eine Publikation der dort gehaltenen Vorträge ist offenbar geplant.

Ein kleiner Wermutstropfen bleibt indes bei der Beschäftigung mit dem Reichenauer Tagungsband. Das Druckbild der für die Reihe der „Vorträge und Forschungen“ ungewöhnlich vielen Abbildungen (auf insgesamt 20 Seiten) enttäuscht. Die Farbkontraste einiger Wiedergaben sind viel zu stark, die Farben wirken dadurch unnatürlich, wie nachkoloriert. Eine bessere Bildqualität hätte dem Band gut getan und die Druckkosten vermutlich kaum in die Höhe getrieben.

Einen neugierigen Blick von außen, aus einer konzilsnahen Region, auf das Constantiense wirft ein Sammelband mit dem sprechenden Titel „Rom am Bodensee“[16], der erste Teil einer auf vier Bände angelegten Reihe zum Thurgau im späten Mittelalter. Auch wenn die Aussage, „Ohne den Thurgau hätte der wichtigste mittelalterliche Kirchenkongress wohl nicht in Konstanz stattgefunden“ (S. 13), wohl etwas überzogen ist, so ist dies doch ein Hinweis auf die Bedeutung des Um- und Hinterlands für die logistische Bewältigung eines solchen Großereignisses. Bislang wurde dieser Aspekt in der Forschung weitgehend vernachlässigt, so dass dieser Band einen wichtigen Beitrag liefern kann, eine bestehende Forschungslücke zu verkleinern. Allerdings sind die Schwierigkeiten, die der Analyse entgegenstehen – vom Mangel an Quellenmaterial bis hin zu den Problemen, genauer fassen zu können, was eigentlich der Thurgau ist (Peter Niederhäuser, „Wer regierte den Thurgau?“, S. 17–21) – nicht zu übersehen. Herauszuheben ist unter den insgesamt 26 Beiträgen ein gleichfalls von Peter Niederhäuser verfasster Abschnitt („Freie Fahrt? – Gefahren am Wegrand“, S. 71–73), der sich mit dem Raubritter Jörg von End befasst. Mit der antithetischen Gegenüberstellung ‚Räuber oder Opfer‘ wirft er ein neues Licht auf eine Person, die die Verbindungswege nach Konstanz unsicher machte, und weckt Verständnis für den Adel bei der „rechtmässigen Verteidigung der eigenen Interessen“ (S. 73).

Wenig überraschend sind die Beiträge dieser Publikation von unterschiedlicher Qualität; zuweilen wurden sachliche Fehler gemacht (zur Bedeutung Hus' als Anhänger Wyclifs, S. 107; Bischof Hallum begleitete Sigmund auch nicht nach Frankreich und England, S. 133; etc.), ebenso veraltete Forschungsauffassungen unreflektiert wiedergegeben (z.B. zum Zwischenfall auf dem Arlberg, S. 49). Ein Schwachpunkt der gesamten Publikation sind die Endnoten. Nicht nur dass die Querverweise nicht immer zu brauchbaren Nachweisen führen (z.B. S. 51 Anmerkung 76 mit Verweis auf S. 151, wo die Quelle ebenfalls nicht genannt wird), auch wird teilweise auf Literatur zurückgegriffen, die längst veraltet ist. Die Literatur des letzten Jahrhunderts diente dabei als ein ziemlich willkürlicher Steinbruch, ohne dass die Qualität der benutzten Publikationen berücksichtigt wurde. Bedauerlicherweise ist diesem ersten Teilband kein Register beigegeben. Es bleibt die vage Hoffnung, dass dies wenigstens im abschließenden vierten Band der Reihe noch nachgeholt wird.

Hinzuweisen ist zuletzt noch auf eine wichtige Darstellung des in England lehrenden Thomas A. Fudge zum Hus-Prozess[17], dessen Fazit lautet: „The trial of Jan Hus, in its general process, was legal“ (S. 342). Der Nachweis gelingt ihm durch eine akribische Untersuchung des Prozesses, eines an der Kurie begonnenen, in Konstanz lediglich fortgesetzten Häresieprozesses. Durch Hus' Appellation vom Papst an Jesus Christus hatte sich dieser selbst in eine schier aussichtslose Position hineinmanövriert, die durch dessen spätere Entscheidung, für die Sache der böhmischen Aufständischen einzustehen, zu dem bekannten Ende auf dem Scheiterhaufen führte. Dass Fudge diese Entwicklung bedauert, daraus macht er im Übrigen kein Hehl. Es steht zu erwarten, dass sich Fudges Analyse positiv abheben wird von so mancher Veröffentlichung, die in den nächsten Monaten zu erwarten ist und ihren apologetischen Charakter nicht verbergen kann.

Zusammenfassend lässt sich trotz entsprechender (Teil-)Veröffentlichungen beobachten, dass die theologischen Fragen und Probleme, die das Konstanzer Konzil aufgeworfen hat – anders als noch vor einem halben Jahrhundert – deutlich in den Hintergrund der Forschung getreten sind. Inzwischen konnte in wesentlichen Fragen Übereinstimmung erzielt und zentrale Streitpunkte entschärft werden. Das Dekret Haec sancta ist mittlerweile weitgehend aus der Schusslinie geraten. Weder wird ihm mehr der Rang eines Glaubenssatzes zugesprochen noch wird seine Gültigkeit grundsätzlich in Abrede gestellt. Dass das Dekret eine gewisse Mehrdeutigkeit ausstrahlt, ist aus seiner Entstehungszeit zu erklären. Den heftigen Diskussionen im Kontext des vor 50 Jahren tagenden Zweiten Vatikanums wurde jedenfalls mit wachsendem Abstand die Schärfe genommen. Auch kann heute als opinio communis gelten, dass Johannes XXIII. vom Konzil abgesetzt wurde, parallel dazu jedoch, wenn auch nicht ganz freiwillig, abdankte. Wenn Walter Brandmüller – wenn auch nicht unwidersprochen – noch zu Ende des vergangenen Jahrhunderts darauf beharren konnte, dass die Geschichte des Konzils mit theologischer Tinte zu schreiben sei, so hat diese auf nur einen Aspekt zentrierte Position inzwischen einer erweiterten Perspektive Platz gemacht, die das Konzil nicht mehr nur als eine kirchlich-theologische Veranstaltung in seinem engeren Verständnis sieht. Für diese Neuausrichtung der Forschung mag dabei als Indiz herhalten, dass das Constantiense bei den einst so streitbaren Theologen inzwischen kein Thema von besonderer Attraktivität mehr zu sein scheint.

Ein abschließender Hinweis auf eine unmittelbar vor dem Erscheinen stehende Darstellung des Konstanzer Konzils aus der Feder des Rezensenten[18], die auch auf aktuelle Aspekte der gegenwärtigen Forschung eingeht, soll diesen Überblick abrunden.

Anmerkungen:
[1] Ulrich Richental, Chronik des Konzils zu Konstanz 1414–1418. Faksimile der Konstanzer Handschrift. Mit einem kommentierten Beiheft von Jürgen Klöckler, Darmstadt 2013.
[2] Augenzeuge des Konstanzer Konzils. Die Chronik des Ulrich Richental. Die Konstanzer Handschrift ins Neuhochdeutsche übersetzt von Monika Küble und Henry Gerlach, mit einem Nachwort von Jürgen Klöckler, Darmstadt 2014.
[3] Thomas Martin Buck (Hrsg.), Chronik des Konstanzer Konzils 1414–1418 von Ulrich Richental (= Konstanzer Geschichts- und Rechtsquellen XLI, hrsg. von Stadtarchiv Konstanz). Eine ausführliche Besprechung erfolgte in: <http://www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-15911> (28.01.2015).
[4] Die „Konstanzer Chronik“ Gebhart Dachers. „By des Byschoffs zyten volgiengen disz nachgeschriben ding und sachen...“. Codex Sangallensis 646, ediert und kommentiert von Sandra Wolff (= Konstanzer Geschichts- und Rechtsquellen XL, hrsg. vom Stadtarchiv Konstanz).
[5] Philipp Ruppert (Hrsg.), Die Chroniken der Stadt Konstanz, Konstanz 1891. Zur kritischen Einschätzung: Wolff (wie Anm. 4), S. 29ff.
[6] Eine kritische Neuedition der Chronik ist im Rahmen der Monumenta Germaniae Historica durch den Mainzer Historiker Joachim Schneider angekündigt.
[7] Mathias Trennert-Helwig, Konstanzer Konzil kompakt 1414–1418. Verlauf – Personen – Orte, Konstanz 2013.
[8] DAMALS – Das Magazin für Geschichte 2 (2014): Titelthema „Konstanzer Konzil – Ringen um die Einheit der Kirche“. Mit Beiträgen von Ansgar Frenken, Karin Stober, Karel Hruza, Jan Keupp und einem Interview mit Bernd Schneidmüller.
[9] Jan Keupp / Jörg Schwarz, Konstanz 1414–1418, Eine Stadt und ihr Konzil, Darmstadt 2013.
[10] Thomas Martin Buck / Herbert Kraume, Das Konstanzer Konzil (1414–1418). Kirchenpolitik – Weltgeschehen – Alltagsleben, Ostfildern 2013.
[11] Heribert Müller, Die kirchliche Krise des Spätmittelalters. Schisma, Konziliarismus und Konzilien (= Enzyklopädie deutscher Geschichte Band 90), München 2012.
[12] Karl-Heinz Braun (Hrsg.), Das Konstanzer Konzil 1414–1418 – Weltereignis des Mittelalters. Essays, Darmstadt 2013; Badisches Landesmuseum (Hrsg.), Das Konstanzer Konzil – Weltereignis des Mittelalters 1414–1418. Katalog, Darmstadt 2014.
[13] Gabriela Signori / Birgit Studt (Hrsg.), Das Konstanzer Konzil als europäisches Ereignis. Begegnungen, Medien und Rituale (= Vorträge und Forschungen, Bd. 79), Ostfildern 2014.
[14] Birgit Studt, Das Konstanzer Konzil und die gegenwärtige historische Forschung, Vortrag auf dem Symposion zum Konstanzer Konzil am 22./23. Januar 2010, Schloss Hersberg, Immenstaad/Bodensee (<http://www.konstanzer-konzil.de/cms/upload/Vortraege/Vortrag-Studt.pdf> [28.01.2015]).
[15] Walter Brandmüller, Das Konzil von Konstanz 1414–1418 in zwei Bänden, Paderborn 1998/1999.
[16] Silvia Volkart (Hrsg.), Rom am Bodensee. Die Zeit des Konstanzer Konzils (= Der Thurgau im späten Mittelalter, Bd. 1), Zürich 2014.
[17] Thomas A. Fudge, The Trial of Jan Hus. Medieval Heresy and Criminal Procedure, Oxford 2013. Vgl. dazu meine Besprechung im Rezensionsjournal „Sehepunkte“ (<http://www.sehepunkte.de/2014/03/23968.html> [28.01.2015]).
[18] Ansgar Frenken, Das Konstanzer Konzil (1414–1418), Stuttgart 2015.

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