Dissertation Tu Dresden Psychologie Du

Nie fertig werden

Ich bin jetzt fünf Jahre dabei. Oh Gott, ich hatte eigentlich mit drei Jahren gerechnet. Die ersten zwei Jahre hatte ich eine Promotionsstelle an der TU Dresden in einem großen Projekt zum Verlauf psychischer Störungen in der Schwangerschaft. Meine Doktorarbeit befasst sich mit einem speziellen Teilbereich des Projektes. Anfangs habe ich oft bis spätabends in der Uni über den Daten gesessen.

Susanne Winkel

31, promoviert am Institut für klinische Psychologie und Psychotherapie in Dresden

Später, als ich mit der Therapeutenausbildung begann, wurde es richtig eng: Drei Tage die Woche auf der Mutter-Kind-Station in der Psychiatrie, zwei Tage einen Nebenjob, an den Wochenenden Weiterbildung. Zwischendrin immer die Angst, dass ich nie fertig werde. Bei so einer Belastung werde ich schon mal gereizt und zickig. Ich habe öfter an Abbruch gedacht. Aber gerade läuft es gut, ich habe mir die Woche besser strukturiert: Montag und Dienstag schreibe ich, mittwochs bin ich an der Universität, Donnerstag und Freitag sehe ich meine Patienten. Ich will die Arbeit unbedingt fertig machen, sonst wären die letzten Jahre umsonst, das motiviert mich. In etwa einem Jahr bin ich fertig – hoffe ich.

Allein sein

Heute hast du nicht ein Mal den Mund aufgemacht, dachte ich. Du hast mit niemandem gesprochen. Das war der entscheidende Moment. Ich will kein Eigenbrötler werden. Bevor ich meine Promotion über Wettbewerbsbeschränkungen in der Internetökonomie begonnen hatte, bin ich in meine erste eigene Wohnung gezogen. 45 Quadratmeter Ich. Wenn ich abends nach Hause kam, war alles genau so, wie ich es am Morgen verlassen hatte. Niemand wartete auf mich oder erwartete etwas von mir. Langweilig!  Ich promoviere extern, habe keine Anbindung an einen Lehrstuhl. Das kann einsam sein. Vor zwei Monaten bin ich deshalb in eine WG gezogen, drei Mädels, ein Junge, alle berufstätig. 

Anonym

27, promoviert an der HU Berlin in Jura über Wettbewerbsbeschränkungen in der Internetökonomie.

Mein Leben hat wieder eine andere Dynamik. Wenn ich jetzt heimkomme, hat schon jemand gekocht oder sitzt mit Besuch bei einem Gläschen Wein am Küchentisch. Selbst wenn gerade niemand da ist, bleibt es spannend. Weil immer die Möglichkeit besteht, dass noch etwas passiert. Dass man aus dem eigenen Trott herausgerissen wird – selbst wenn der Mitbewohner nur fragt: "Spontan ins Kino?"

Den Anschluss verpassen

Ich sage immer: Ich habe aus den richtigen Gründen abgebrochen. Und aus den falschen begonnen: Ich habe nicht gleich den Superjob gefunden und wollte Zeit überbrücken. Da ich gerne kuratorisch im Museum arbeiten wollte, habe ich meine Dissertation über Museumstheorie geschrieben. Mein Professor war schon emeritiert, und ich war sein letzter Doktorand. Da fehlten die akademischen Strukturen.

Henje Richter

35, brach die Promotion über Museumstheorie an der Uni Tübingen nach acht Semestern ab.

Ich habe mich oft gefragt, ob mein Thema überhaupt jemanden interessiert, und hatte dazu keine wissenschaftliche Rückmeldung. Der Berufseinstieg rückte immer weiter in die Ferne. Dabei wären Kontakte und Erfahrungen für mich wichtiger gewesen als dieser Titel. Immer hat mich die Angst begleitet, dass ich Zeit verliere, in der ich Qualifikationen fürs Museum und für den Arbeitsmarkt erwerben könnte. Der ganze Druck und das schlechte Gewissen des Untätigseins waren weg, als ich nach vier Jahren abgebrochen habe. Heute jobbe ich im Berliner Computerspielemuseum und arbeite als Musikjournalist. Ich glaube nicht, dass ich mit Doktortitel eine bessere Position hätte.

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Graduiertenkolleg 2323 "Förderliche Gestaltung cyber-physischer Produktionssysteme"

Das GRK "Förderliche Gestaltung cyber-physischer Produktionssysteme" wird an der TU Dresden zur Ausbildung von Nachwuchsforscher*innen eingerichtet, die unter einem Dach interdisziplinär untersuchen, wie Mensch-Technik-Kooperation in hochvariablen technischen Systemen gestaltet werden kann.

Der steigende Bedarf an individualisierten Produkten stellt produzierende Industriezweige vor neue Herausforderungen, da sie ursprünglich auf effiziente Massenproduktion ausgelegt waren. Cyber-physische Produktionssysteme (CPPS) sind ein vielversprechender Weg, um diese Herausforderungen zu bewältigen. CPPS können nicht nur, wie viele heutige Systeme, Daten ihrer Umwelt erfassen, auswerten, speichern und Produktionsprozesse steuern – sie sind darüber hinaus ständig digital vernetzt. Somit können komplexe Algorithmen zur Auswertung umfangreicher Datenbestände aus Planung, Betrieb und Simulation eingesetzt werden, um höhere Automation und schnelle Systemänderungen zu erlauben, aber auch tiefe Einblicke in sonst nicht sichtbare Zusammenhänge zu ermöglichen.

CPPS stellen – aufgrund ihrer Komplexität und Flexibilität – große Herausforderungen an die Gestaltung der Mensch-Technik-Kooperation. Im Fokus bisheriger Entwicklungsarbeiten standen vornehmlich technische Aspekte von CPPS. Im GRK 2323 wird die menschliche Perspektive in das Zentrum der Forschung zur CPPS-Entwicklung gerückt: Wissenschaftler*innen der Fakultäten Elektrotechnik und Informationstechnik, Informatik, Maschinenwesen und Psychologie an der TU Dresden arbeiten in dem neuen GRK 2323 zusammen um zu erforschen, wie die CPPS gestaltet sein müssen, damit das Vertrauen, die Kompetenzen und die Gesundheit der die CPPS führenden und überwachenden Menschen gefördert und nicht gefährdet werden. Die Forscher*innen werden ihre Untersuchungen in zwei unterschiedlichen Anwendungsbereichen durchführen: in modularen Prozessanlagen – wie sie in der chemischen Industrie gerade eingeführt werden – und in mobilen Agrarsystemen (z. B. modernen Erntemaschinen). Dadurch wird es möglich, auch die Übertragbarkeit der Erkenntnisse und Lösungsansätze auf ein breites Feld von CPPS-Domänen zu prüfen.

Die DFG fördert im Rahmen des GRK zehn Doktorandinnen und Doktoranden. Die Förderung beginnt am 1. September 2018.

Weitere Informationen zum GRK 2323 "Förderliche Gestaltung cyber-physischer Produktionssysteme":

Prof. Dr.-Ing. habil. Leon Urbas (Sprecher des GRK)
Fakultät Elektrotechnik und Informationstechnik, Professur für Prozessleittechnik
Tel.: 0351 463-39614
leon.urbas@tu-dresden.de

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